Erschienen auf prcenter.de – Medizin & Gesundheit - 25.02.2009
(prcenter.de) SCHLUSS MIT LUSTIG! Ob als Freestyler in der Halfpipe, Freerider im Pulverschnee oder mit dem Race-Board auf der Piste: rasant über den Schnee zu carven, macht Spaß. 1,5 Millionen aktive Snowboarder gibt es in Deutschland. Doch nach einem Unfall ist schnell Schluss mit lustig. Besonders häufig kommt es nach einem Sturz zu einem Armbruch in der Nähe des Handgelenks. Dank einer neu entwickelten Stützschiene kommt man dabei jetzt oftmals ohne Gips aus.
HÄUFIGSTER KNOCHENBRUCH
Boarden ist eine verletzungsanfällige Sportart: „Kurz mal verkantet, das Gleichgewicht verloren oder nach einem Sprung falsch aufgekommen“ nennt Gerry Ring, österreichischer Ex-Snowboard-Profi, als Ursachen für Stürze. Zwei bis sechs Verletzte kommen auf 1.000 Snowboardtage – wie auch beim Skifahren. Lädierungen an Steißbein, Schulter, Knöchel, Meniskus und Kreuzband oder Gehirnerschütterungen sind Folge der vielen Stürze. Am öftesten betroffen ist aber mit gut einem Drittel aller Snowboardverletzungen das Handgelenk, gerade bei Anfängern.
Der handgelenksnahe Speichenbruch, die sogenannte Radiusfraktur, ist die häufigste Bruchverletzung beim Menschen überhaupt. 240.000 Radiusfrakturen passieren pro Jahr in Deutschland.
ARME HOCH!
Typische Ursache für die Radiusfraktur ist ein Sturz auf das ausgestreckte Handgelenk. Es ist ein Reflex: Wer das Gleichgewicht verliert, streckt die Arme aus, um sich abzufangen und abzustützen. Anzeichen für einen Speichenbruch ist, wenn nach dem Sturz der Arm arg schmerzt und die Schmerzen bei Bewegung oder Belastung stärker werden. Dazu kommt rasch eine Schwellung. Manchmal sieht man die Fehlstellung der gebrochenen Knochen sogar. Als erste Hilfe am einfachsten und überall machbar: den Arm hochhalten, damit sich das Blut nicht staut. Außerdem sollte man die verletzte Stelle kühlen. Aber nie Schnee direkt auf die Haut geben, sonst gibt es Erfrierungen. Und dann gilt: schnell in die Klinik.
GIPS IST OUT
Zunächst muss der Arzt mit einer Röntgenaufnahme feststellen, ob die Knochenbruchstücke richtig zueinander stehen. Gegebenenfalls wird er verschobene Knochen unter örtlicher Betäubung einrichten. Bei komplizierten Brüchen werden bei einer Operation eine Platte oder Drähte eingesetzt.
Die vollständige Heilung dauert bei Erwachsenen fünf bis sechs Wochen. Währenddessen braucht der Arm eine stabile Hülle als Schutz. Bis vor wenigen Jahren wurde grundsätzlich eingegipst. Damit ist neben dem Gelenk aber auch der gesamte Muskelapparat fixiert. Doch damit verlieren die Muskeln an Substanz und Beweglichkeit. Mühsame Reha-Übungen werden nötig.
Mittlerweile gibt es Alternativen zum unbequemen, schweren Gips. Bis auf wenige Fälle eignet sich bei handgelenksnahen Brüchen eine moderne Schiene mit einem Vakuumstützkissen, die VACOhand. Sie stabilisiert das Handgelenk bei voller Beweglichkeit der Finger. Produktentwickler Julian Botsch vom Hersteller OPED nennt die Vorteile: „VACOhand ist leicht zu handhaben, zum Röntgen, Duschen und zur Wundpflege abnehmbar und einfach wieder zu verschließen.“ Rund 1.000 Patienten wurden bereits mit dieser neuen Erfindung behandelt. Einziger Nachteil: der bunt bemalte Gipsarm mit den Unterschriften aller Freunde stirbt langsam aus.
VORSICHTIG FAHREN, Protektoren tragen, richtig fallen
Auch wenn ein Armbruch letztlich meist gut verheilt: Noch besser ist natürlich, wenn er gar nicht erst passiert. Der größte Risikofaktor ist Selbstüberschätzung. Daher empfiehlt Gerry Ring, der viele internationale Rennen bestritten hat und heute für OPED arbeitet: „Lieber mal das Tempo und die Schwierigkeit von Sprüngen drosseln – und unbedingt Alkohol meiden.“
Hilfreich zur Vermeidung von Verletzungen ist auch, stets eine komplette Schutzausrüstung zu tragen. Dazu gehören Protektoren für Wirbelsäule und Steißbein, für Hüfte, Knie, Schienbein und Handgelenke sowie ein Sturzhelm. In guten Snowboardhandschuhen sind flexible Handgelenkschützer aus Kunststoff enthalten. Studien geben an, dass Handschuhe mit Protektoren das Verletzungsrisiko am Handgelenk auf die Hälfte bis ein Viertel reduzieren können. Und schließlich kann man durch „richtiges“ Fallen Schlimmeres verhindern. „Man sollte versuchen, die Arme dicht am Körper zu lassen und angewinkelt nach oben zu nehmen“, erklärt Ring, selbst Diplom-Sportlehrer. So fängt man den Aufprall bei einem Backside-Sturz zuerst über den gebeugten Rücken und beim Sturz nach vorn mit den Unterarmen ab und nicht mit dem Handgelenk. Diese Falltechnik sollte man erst mal im Stand üben.
Weitere Informationen uner www.vacohand.com
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